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Mit ihrer Gleichgewichtspolitik prägten sie den Wiener Kongreß: Metternich (stehend) und Castereagh (vor ihm lässig sitzend)
Mit ihrer Gleichgewichtspolitik prägten sie den Wiener Kongreß:
 Metternich (stehend) und Castlereagh (vor ihm lässig sitzend)

Ungewollter Ersatz für Sachsen
Vor 200 Jahren nahm Preußen als Folge Metternichscher Politik die Rheinprovinz und Westfalen in Besitz
von Manuel Ruoff

Stärker noch als von der Restauration war die Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen von dem Streben nach einem kontinentalen Gleichgewicht geprägt. Auf dem Wiener Kongress vor 200 Jahren waren es vor allem der Brite Castlereagh und der Österreicher Metternich, die dieses Prinzip durchzusetzen versuchten.

Der britische Delegationsleiter und Außenminister Robert Stewart, 2. Marquess of Londonderry und Viscount Castlereagh wollte verhindern, dass abermals eine Macht auf dem Kontinent so stark werden konnte, dass sie die britische Seeherrschaft in Frage stellen konnte. Auch der österreichische Kongresspräsident und Staatskanzler Clemens Wenceslaus Nepomuk Lothar Fürst von Metternich-Winneburg zu Beilstein wollte keinen zweiten Napoleon erleben. Das Habsburgerreich, dessen Regierungschef er war, hatte den Höhepunkt seiner Macht überschritten. Als Vielvölkerstaat war es im Zeitalter des Nationalismus gefährdet, geradezu anachronistisch. An eine eigene österreichische Hegemonie war nicht zu denken. Und dass Österreich ein weiteres Mal Opfer einer fremden Hegemonie wurde, wollte er auch nicht.

Metternichs Gegenspieler auf dem Kongress war dabei vor allem der russische Zar Alexander I. Das lag zum einen daran, dass Metternich reaktionär und Alexander zumindest stellenweise liberal war. Es lag zum anderen an der von Alexander regierten Großmacht. Nach der Niederlage des napoleonischen Frankreich war Russland zur bedeutendsten Macht des Kontinents aufgestiegen. Von Russland war die Befreiung Europas ausgegangen und bei der Verfolgung Napoleons waren russische Truppen von Moskau bis Paris einmal durch Europa marschiert.

Der russische Zar und der preußische König waren sich einig, dass der Sachse Friedrich August I., der bis zu seiner Gefangennahme nach der Völkerschlacht bei Leipzig zu Napoleon gehalten hatte, die Rechte auf sein Königreich Sachsen und sein 1807 aus vormals preußischem Territorium gebildetes Herzogtum Warschau verloren habe. Der Russe und der Preuße gingen ferner darin konform, dass ersterer das Herzogtum Warschau und letzterer das Königreich Sachsen erhalten solle.

Da Preußen als die kleinste und schwächste der fünf Großmächte galt, stand Castereagh als Gleichgewichtspolitiker der Idee einer Vergrößerung Preußens um Sachsen durchaus positiv gegenüber. Die österreichischen Militärs waren entsetzt. Sachsen hatte sich als Verbündeter gegen Preußen mehrfach bewehrt und die Idee einer Verlängerung der Grenze zu dem aufstrebenden Preußen um die bisherige Grenze zu Sachsen erfüllte sie mit Sorge. Doch Metternich setzte andere Prioritäten. In seinen Augen war ein russischer Machtgewinn gefährlicher als ein preußischer. Er war deshalb bereit, den gemeinsamen Nachbarn Sachsen Preußen zu überlassen, sofern denn Preußen ihn darin unterstützte, Russland das Herzogtum Warschau zu verwehren. Metternich gelang es, Castlereagh für diese Linie zu gewinnen.

Preußens Staatskanzler Karl August Freiherr von Hardenberg war zur Erfüllung dieser Bedingung bereit. Russland stand nun in der Polenfrage der geschlossenen Front der anderen Großmächte der antinapoleonischen Koalition gegenüber. In dieser Situation griff der Zar selber ein. Auf einer Vergnügungsfahrt mit den anderen in Wien weilenden Großmachtherrschern nach Ofen versuchte er, diese für sich und seine Politik zu gewinnen. Österreichs Kaiser Franz I. wollte von Politik nichts wissen und verwies auf seinen Kanzler Metternich. Doch bei seinem Freund Friedrich Wilhelm III. war der Herrscher aller Reußen erfolgreich. Der Preußenkönig verdonnerte seinen Staatskanzler Hardenberg im Beisein des Zaren zu einer russlandfreundlichen Politik. Dieser musste nolens volens gehorchen. Von Preußen nun unterstützt, gelang es dem Zaren, das von seinen Truppen bereits besetzte Herzogtum Warschau größtenteils seinem Herrschaftsbereich einzuverleiben.

Für seinen Seitenwechsel sollte Preußen bezahlen. Metternich und Castlereagh stellten sich nun in der sächsischen Frage quer. Der Mittsechziger Hardenberg, der seine besten Tage hinter sich hatte, war durch diesen Widerstand überfordert und verlor die Nerven. Er drohte mit Krieg. Das entsetzte insbesondere den grundsätzlich doch preußenfreundlichen Castlereagh. Das Ergebnis war eine österreichisch-britische Defensivallianz, in der Frankreich der dritte im Bunde war. Gegen den geballten Widerstand dieser drei Großmächte konnte die in Preußen bereits zu Zeiten Friedrichs des Großen erträumte Annexion Sachsens nicht realisiert werden. Preußen musste sich mit gut 57 Prozent des Territoriums und gut 42 Prozent der Bevölkerung Sachsens zufrieden geben, der späteren preußischen Provinz Sachsen. Kernsachsen blieb jedoch als eigenständiges Königreich den Wettinern erhalten.

Der Leiter der französischen Kongressdelegation, der Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord, frohlockte. Die antinapolenische Allianz war an der sächsischen Frage zerbrochen und Frankreich nun mit Großbritannien und Österreich verbündet. Talleyrand rechtfertigte seine Positionierung in der sächsischen Frage damit, dass der sächsische König mit dem französischen verwandt und Preußen frankreichfeindlich sei. Immerhin hatte Napoleon keine Großmacht derart schlecht behandelt wie Preußen. Talleyrands Kritiker hielten dem entgegen, dass Preußen als Entschädigung für die entgangene Annexion Sachsens nun an Frankreichs Grenze großzügig entschädigt wurde.

An diesem Vorwurf war etwas dran. Preußen war Siegermacht, hatte auf die Rückgabe des größten Teils der im Frieden von Tilsit verlorenen polnischen Gebiete verzichtet und hatte auf die Annexion Sachsens verzichten müssen. Metternich sorgte dafür, dass die Ostmacht am Rhein entschädigt wurde. Der österreichische Staatskanzler hatte die Erfahrung vor Augen, dass Preußen und Bayern, um mehr Unabhängigkeit von der habsburgisch dominierten Zentralgewalt zu gewinnen, des Öfteren gemeinsame Sache mit Frankreich gegen Kaiser und Reich gemacht hatten. Und er wusste, dass in Frankreich der Rhein als natürliche Grenze beansprucht wurde, die links des Rheins gelegenen Teile Deutschlands also durch den französischen Expansionsdrang besonders gefährdet waren. Hieraus zog der schlaue Kopf die Konsequenz, dass er dafür sorgte, dass Preußen und Bayern an der Grenze zu Frankreich liegende linksrheinische Gebiete erhielten, auf dass sie sich fürderhin aus ureigenstem Interesse an der Eindämmung des französischen Expansionsdranges beteiligten. Und einen zweiten Vorteil versprach sich Metternich von diesem preußischen Territorialgewinn. Entsprechend dem Ideal des arrondierten Territoriums ohne Exklaven und Enklaven durfte er hoffen, dass Preußen fortan versuchen würde, eine Landbrücke zwischen seinem Kernland und den Erwerbungen im Westen zu schlagen und die Klein- und Mittelstaaten dazwischen dadurch in Österreichs Arme trieb. So bescherte der Wiener Kongress Preußen statt Sachsen die späteren preußischen Provinzen Rheinprovinz und Westfalen.

Durch seine Westverschiebung wuchs Preußen in Deutschland hinein. Die Entwicklung zu einem Staat mit durchgehend deutscher Bevölkerung sowie die Übernahme der „Wacht am Rhein“ ließen Preußen noch mehr zum Hoffnungsträger in der deutschen Nationalbewegung werden, als es dieses während der Befreiungskriege schon geworden war. Schließlich erhielt Preußen mit seinen von Metternich zugeschanzten Besitzungen am Rhein auch noch das Ruhrgebiet und damit einen für den weiteren Verlauf der Geschichte nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Vorteil im Machtkampf mit Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland, der in der Bismarckära schließlich eine gewaltsame Entscheidung fand. Österreich wurde aus Deutschland ausgeschlossen und der Rest unter Berlins Führung geeint – eine kleindeutsche Lösung der deutschen Frage, die auch heute das Land (wieder) prägt.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, Ausgabe 14/15, 04.04.2015

MP3-Audio-Datei starten: Die Wacht am Rhein (1840 / 1854)

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